Richtigstellung der Begriffe

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Dsï Lu sprach: »Der Fürst von Wei wartet auf den Meister, um die Regierung auszuüben. Was würde der Meister zuerst in Angriff nehmen?«

Der Meister sprach: »Sicherlich die Richtigstellung der Begriffe.«

Dsï Lu sprach: »Darum sollte es sich handeln? Da hat der Meister weit gefehlt! Warum denn deren Richtigstellung?«

Der Meister sprach: »Wie roh du bist, Yu! Der Edle läßt das, was er nicht versteht, sozusagen beiseite. Wenn die Begriffe nicht richtig sind, so stimmen die Worte nicht; stimmen die Worte nicht, so kommen die Werke nicht zustande; kommen die Werke nicht zustande, so gedeiht Moral und Kunst nicht; gedeiht Moral und Kunst nicht, so treffen die Strafen nicht; treffen die Strafen nicht, so weiß das Volk nicht, wohin Hand und Fuß setzen. Darum sorge der Edle, daß er seine Begriffe unter allen Umständen zu Worte bringen kann und seine Worte unter allen Umständen zu Taten machen kann. Der Edle duldet nicht, daß in seinen Worten irgend etwas in Unordnung ist. Das ist es, worauf alles ankommt.«

Konfuzius

Dazu auch folgende Fassung:

Richtigstellung der Begriffe / Dschong Ming

Wenn die Begriffe richtig sind, herrscht Ordnung, wenn die Begriffe versagen, herrscht Verwirrung. Daß die Begriffe versagen, ist aber die Schuld der Schwätzer. Die Schwätzer nennen das Unmögliche möglich, das Nichtwirkliche wirklich, das Unrichtige richtig, das was nicht falsch ist, falsch. Dagegen sind die Reden des Edlen geeignet, was wirklich an einem Menschen tüchtig ist, was tatsächlich an einem Menschen untauglich ist, zu bezeichnen und das deutlich zu machen, wodurch Ordnung hochkommt und wodurch Verwirrung entsteht, zu zeigen die Verhältnisse der Dinge, und worauf das Leben der Menschen beruht.

Wo immer Verwirrung herrscht, da sind die Strafen und die Bezeichnungen nicht treffend. Ein Fürst, auch wenn er untauglich ist, scheint doch immer Weise anzustellen, Gute zu hören und das Richtige zu tun. Das Übel ist nur, daß das, was er als tüchtig bezeichnet, darauf hinausläuft, daß es die Befolgung des Untüchtigen bewirkt, das was er als gut bezeichnet, darauf hinausläuft, daß es die Befolgung des Unrechts bewirkt, das was er als richtig bezeichnet, darauf hin ausläuft, daß es die Befolgung von Verkehrtheiten bewirkt. Auf diese Weise haben sich Strafen und Bezeichnungen von der Wahrheit entfernt und der Laut bezeichnet etwas anderes, als das durch ihn vertretene Ding. Tüchtig ist soviel wie untüchtig, gut ist soviel wie unrecht, richtig ist soviel wie verkehrt. Wenn dann der Staat nicht in Verwirrung, die eigne Person nicht in Gefahr gerät, worauf will man dann noch warten!

In Lü Bu Wei: Chunqiu: Frühling und Herbst des Lü Bu We, Buch XVI / Siän Schï Lan, S. 538)

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