Kann uns die Rückkehr zu durch Gold gedeckte Währungen helfen?

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Immer wieder wird seitens uninformierter Kreise behauptet, die Währungen der Welt wären sicherer, wenn wir zurückkehren würden zur Wertdeckung der Währungen durch Gold. Die Quellen dieser Behauptung sind meist auf haupt- oder nebenberufliche Goldhändler oder auf Werbung für diese zurückzuführen. Deshalb lohnt sich ein kurzer überschaubarer und verständlicher Faktencheck:

Die insgesamt jemals geförderte Menge Gold beläuft sich (je nach Schätzung, auf 150.000 – 170.000 Tonnen) auf durchschnittlich 160.000 Tonnen oder 160 Millionen Kilogramm oder 160 Milliarden Gramm. Das sind ungefähr und aufgerundet 5 Milliarden Feinunzen á 31,1 Gramm.

Der aktuelle Goldwert beträgt 39,78 USD je 1 Gramm Gold bzw. 1.237,158 USD je Feinunze Gold. Der Verkehrswert des gesamten bisher geförderten Goldes beträgt also aktuell 309.289.500.000.000 USD. Dass sich dieser Goldwert interessanterweise aus dem Geldwert ableitet, der doch nach Ansicht der Apologeten der Währungsdeckung durch Gold, eben durch Gold gedeckt werden soll, lassen wir an dieser Stelle getrost ebenso beiseite, wie die Thematisierung des so entstehenden Paradoxons, dass nach der o.a. These der Goldwert aus sich selbst entstehen müsste ohne jeden Bezug zum Geldwert, und demzufolge unmöglich zu ermitteln wäre ohne eine externe Referenzgröße (wie z.B. den Geldwert), was im Ergebnis Gold wertlos machen würde.

Weiterhin beachten wir bei der Betrachtung der Menge des bisher geförderten Goldes, dass davon ca. die Hälfte in Schmuck vorhanden ist und abzüglich der privaten Goldsammler ca. 30.000 Tonnen, also lediglich 19 Prozent der o.a. Gesamtmenge, als mickriger Rest bei den Zentralbanken verbleiben.

Damit beträgt der Verkehrswert des bei den Zentralbanken verfügbaren Goldes 19 Prozent des o.a. Wertes, nämlich 58.000.000.000.000 USD.

Wenn wir die bei den Zentralbanken verfügbare Goldmenge zugrunde legen, könnten wir bei 7 Mrd. Menschen weltweit an jeden ca. 5 Gramm Gold im Wert von je 198,90 USD verschenken. Würden wir die gesamten 5 Mrd. Unzen auf theoretisch 7 Mrd. Menschen aktuelle Weltbevölkerung aufteilen, kämen wir auf 0,7 Unzen oder aufgerundet 22 Gramm pro Person. Rechnen wir großzügig eine Feinunze von 31,1 Gramm pro Person der zugrunde gelegten Weltbevölkerung und schenken jeder dieser Personen eine Unze Feingold.

Beim diesem Goldpreis von 1.237,– USD pro Feinunze Gold ergäbe sich also aktuell ein ebenso hoher Geldwert pro Person der Weltbevölkerung, nämlich stattliche 1.237,– USD.

1.237,– USD pro Einwohner unserer Erde; auf Lebenszeit!

Nun decken wir den kompletten Geldkreislauf mit diesem Gold, indem wir alle Privateigentümer enteignen, und machen unser Geld also wieder richtig wertvoll.

Um die Sinnhaftigkeit eines solchen Vorhabens zu untersuchen, genügt die Beantwortung der simplen Frage:

Wie lange soll der Wert von aktuell 1.237,– USD pro Person und wofür reichen?

An dieser Stelle überspannen wir den Bogen und vermuten, die insgesamt geförderte Goldmenge würde sich in absehbarer Zeit verdoppeln und der eben angenommene Goldwert ebenfalls und unterstellen, dass sich die Anzahl der Bewohner dieses Planeten nicht mehr erhöht. Das ergäbe einen Gesamtwert pro Person der Weltbevölkerung von großzügigen 5.000 USD.

Selbst wenn sich also der Goldpreis verzehnfachen würde, würde das nichts daran ändern, dass Gold so ziemlich das sinnloseste Zahlungsmittel ist, um den Geldkreislauf und damit den Werteausgleich aufrechtzuerhalten. Selbst unter Zuhilfenahme aller Edelmetalle als Wertstandard für unser täglich Geld hätten wir ein Problem: Es würde nicht reichen, das tatsächlich benötigte Geld im Wert zu decken.

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